Wer hätte nach dieser bisher so wunderbar verlaufenen Saison gedacht, dass sich die Düsseldorfer EG mal so richtig schwer tun würde mit dem Toreschießen? Heute war es leider so weit. Gegen die Straubing Tigers, die mit Hans-Zach-Gedächtnistaktik im ISS DOME auftraten, bissen sich die Düsseldorfer beim 1:3 (0:2; 0:0; 1:1) bis zur Schlusssirene die Zähne aus. Die Gäste aus Niederbayern nutzten ihre wenigen Chancen konsequent und zählen nun neben Wolfsburg und Iserlohn zum erlauchten Kreis der DEL-Teams, welche gegen die DEG drei volle Punkte einfahren konnten.

Harold Kreis musste auf den verletzten Bernhard Ebner verzichten. Für ihn rückte Johannes Huß in die Mannschaft. Außerdem feierte Stefan Reiter an der Seite von Lukas Laub und Leon Niederberger nach überstandener Verletzung sein Comeback. Dafür pausierte Christian Kretschmann. Die Anfangsphase war aus DEG-Sicht so trüb, wie der zu Ende gehende November-Sonntag. Die Rot-Gelben mühten sich zwar von Beginn an, das Zepter in die Hand zu nehmen, wollten aber nicht so recht ins Rollen kommen. Die Tigers machten dort weiter, wo sie am Freitag gegen Ingolstadt aufgehört hatten, zeigten sich effektiv und kaltschnäuzig und gingen früh in Führung. Kael Mouillierat drückte einen Schuss von Michael Connolly über die Torlinie, als reichlich Unruhe vor dem Tor von DEG-Keeper Fredrik Pettersson Wentzel herrschte (4.). Die Scheibe wäre aber auch so reingegangen. Danach gab es viel DEG-Offensive zu bestaunen, allerdings keinen Ertrag: Calle Ridderwall befreite sich gekonnt aus der rechten Bandenrundung und übergab an Kenny Olimb, der aber nicht genug Druck auf die Kelle brachte (7.). Dem ersten DEG-Powerplay des Abends fehlte die rechte Präzision und Durchschlagskraft. Bei fünf gegen fünf steckte Olimb die Scheibe von hinter dem Tor zu Ridderwall durch, doch Straubings Torhüter Sebastian Vogl war zur Stelle. Die Mannschaft von Tom Pokel machte der DEG das Leben mit einer kompakten Defensive, die immer eng am Mann war, enorm schwer. In die Offensivbemühungen der DEG hinein fiel das zweite Gästetor: Top-Scorer Jeremy William zielte ganz genau und platzierte die Scheibe aus dem linken Bullykreis in den rechten Winkel (15.). Ein weiteres Überzahlspiel in der Schlussphase brachte noch einmal Tempo ins Spiel der DEG. Kurz vor Drittelende scheiterte Jerome Flaake aussichtsreich aus dem Slot (19.), Jaedon Deschenau schoss Steven Seigo den Puck durch die Beine, aber Vogl nicht durch die Schoner (20.). Nach 20 Minuten gab es in der Kabine sicherlich viel zu besprechen.

Mouillierat „klaut“ Connolly das Tor zum 0:1 – alle Bilder: Birgit Häfner.

Das Mitteldrittel war der Abschnitt der vergebenen Überzahlsituationen. Zuerst durften die Tigers 26 Sekunden in doppelter Überzahl ran, konnten daraus aber kein Kapital schlagen. Wenig später war es die DEG, die sich in 60 Sekunden mit zwei Mann mehr auf dem Eis vergeblich um ihr erstes Erfolgserlebnis mühte. Die vielen Schüsse aus der Halbdistanz verfehlten allesamt ihr Ziel. Als Straubing wieder komplett war, setzte Flaake die Scheibe aus kurzer Distanz knapp daneben (28.). Zur Mittel des Drittels wurden die Gäste etwas aktiver. Die DEG hatte Glück, nicht noch weiter ins Hintertreffen zu geraten, als Seigo den Puck nach einem rot-gelben Scheibenverlust im eigenen Drittel an den linken Pfosten setzte (31.). Nach einem Beinstellen des Ex-DEG-Stürmers Marcel Brandt entfachte sich ein kleines Handgemenge zwischen Mitchell Heard und John Henrion. Unterm Strich durfte die DEG satte vier Minuten in Überzahl ran. Schuss um Schuss sauste in Richtung Vogl, doch der erlösende erste Treffer wollte einfach nicht fallen. Descheneau hatte ihn gleich zwei Mal auf dem Schläger, legte den Puck aber zuerst links neben dem Torraum stehend am Gehäuse vorbei (46.) und brachte ihn dann von der Torraumgrenze aus zentraler Position nicht an Vogl vorbei (49.). Da sich Heard zu einem weiteren unnötigen Foulspiel im Drittel der DEG hinreißen ließ, endete das Drittel mit 22 Sekunden Überzahl für die Hausherren.

Ein Symboldbild für das gesamte Spiel: Die DEG rennt an und scheitert.

Ergo verblieben zum Start ins Schlussdrittel 98 Sekunden mit numerischer Überlegenheit. Pimms Schuss im Nachfassen strich so hauchzart am Tor vorbei, dass man schon ein wenig mit dem Eishockey-Gott hadern mochte (41.). Im weiteren Verlauf des Drittels entwickelte die DEG zunehmend mehr Druck. Besonders hervor taten sich Olimb, Flaake und Ridderwall, die die Defensivreihen der Straubinger mitunter schwindelig spielten. Straubing aber verteidigte konsequent, brachte hier einen Stock und dort einen Schlittschuh dazwischen. Zudem klärten sie jede Scheibe humorlos, auch mal auf Kosten eines unerlaubten Weitschusses, aus der Gefahrenzone. Schön war das nicht anzusehen, aus Sicht der Straubinger aber allemal effektiv. Die DEG machte und tat – Philip Gogulla aus spitzem Winkel (47.), McKiernan flach am kurzen Pfosten (50.), Niederberger fälschte einen Schuss von Köppchen ab (52.) –, aber immer fehlte irgendetwas. Bis Braden Pimm im Verbund mit Olimb solange vor dem Tor rackerte, bis die Scheibe endlich drin war! Nun versprach es noch einmal spannend zu werden. Die DEG warf alles nach vorne, doch mit Fredrik Erikssons Schuss ins leere Tor waren alle Hoffnungen auf Punkte dahin (60.).

Pimm bricht den Bann – es reichte leider nicht.

Solche Tage gehören halt auch dazu. Die DEG ist über fast 60 Minuten vergeblich angerannt, hatte aber nicht ihren besten Tag und geht zum erst dritten Mal in dieser Saison leer aus. Die DEG-Fans unter den 5.521 Zuschauern honorierten den heutigen Einsatz und die bisherige Saison mit lautstarken Anfeuerungs- und Aufmunterungsgesängen nach dem Schlusspfiff.

Der DEG bleibt zum Glück kaum Zeit, sich zu grämen. Schon am Dienstag geht es bei den Fischtown Pinguins aus Bremerhaven weiter (erstes Bully 19:30 Uhr). Viel angenehmer als heute dürfte diese Aufgabe nicht werden. Am kommenden Freitag kommt Meister München in den ISS DOME. Die roten Bullen werden sicherlich mehr Lust auf Offensive haben. Los geht’s ebenfalls um 19:30 Uhr.